Denke ich? Da hier nichts ist, das beweisen kann, dass ich denke, kann ich nicht wissen, ob ich existiere.
Wenn der Mensch seine eigene Psyche verstehen will, so schaut er sich am besten eine Kranke an. Gemäß dieser Annahme trägt das erste Kapitel dieses Buches den Untertitel "Die psychiatrische Klinik als philosophische Anstalt". Doch bevor man eifrig zu lesen anfängt, sollte man sich ausnahmsweise erst einmal dem Vorwort zuwenden. Denn die Lektüre dieses Buches kann verstörende Nebenwirkungen haben.
Der Mensch ist eines von drei Lebewesen (neben Schimpanse und Orang-Utan), das sich seiner Selbst bewusst ist. Das also glaubt, so etwas wie ein Ich zu besitzen. Glaubt?
Glaubt. Wir sind nichts weiter als eine Illusion, erfinden uns selbst und existieren eigentlich gar nicht. Hä?
Um das zu verstehen, muss man schon das ganze Buch lesen - Allerlei Forscher verschiedener Gebiete, Psychiater und Soziologen, Kulturwissenschaftler, Philosophen und natürlich Neurologen kommen zu Wort, und aus diesem interdisziplinären Wissen konstruieren die Autoren die Wahrheit über das Ich .
Aber was bleibt von einem selbst, wenn man die furchtbare Erkenntnis, dass man nichts als eine Selbsterfindung ist, erst einmal akzeptiert hat? Bevor aus Verzweiflung der Weg in die Drogensucht oder gar schlimmeres beschritten wird, sollte man das Buch doch ganz zu Ende lesen. Denn nun berichten die Autoren, wie sie selbst mit dieser Erkenntnis fertig geworden sind. Und wenn man schließlich der Fotografie der beiden auf dem Buchumschlag begegnet, so sieht man zwei Menschen, welche die elementare Suche nach dem Ich abgeschlossen, und sich getrost ihrem Leben zugewandt haben.
Ein verstörendes, faszinierendes Buch, das aufgeklärten und pragmatischen Menschen eine Erleuchtung sein wird.
MM
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Für aufgeweckte Köpfe