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Der öffentliche Mensch

Medienstars und Medienopfer

cover Der öffentliche Mensch | Dtv Verlag | 217 Seiten | 10,00 Euro | von Mario Gmür

Das Medienopfersyndrom – darum geht es in Mario Gmürs Buch "Der öffentliche Mensch". Ein Begriff, der die psychischen Folgen für das Opfer einer aggressiven verletzenden Publizistik benennt. Personen in dieser Situation entwickeln öfter eine andauernde soziale Todesangst und sind in ihren sozialen Beziehungen stark eingeschränkt.

Mc Luhars "globales Dorf", in dem nichts verborgen bleibt, wächst durch die weltumfassende Kommunikation bei Gmür zu einer „Isovalente Gesellschaft“. Isovalent ist ein Kunstwort aus der Griechischen und besagt so viel wie: gleichwertig, ursprünglich gleichbedeutend. Der Autor sieht im Gegensatz zu früheren Zeiten das Verhältnis des Menschen zu Zielen, Wegen, Instrumenten, Prozessen usw. als gleichwertig an. "Isovalent" ist der einzige Begriff, der in diesem Buch neu zu erlernen ist. Dazu auch lesenswert die Kapitel, die die Merkmale einer möglichen isovalenten Zeitepoche analysieren: "Scham und Stolz" und "Die narzisstisch-orientierungslose Persönlichkeit im isovalenten Zeitalter".

Eine Kritik an der heutigen Medienkultur und an dem Überhand nehmenden Sensationsjournalismus mit leicht fasslichen Beschreibungen, Analysen, und Perspektiven der Öffentlichkeit geschehen. Im Mittelpunkt des Buches steht die Frage, wie sich eine aggressiv verletzende Publizistik auf die Betroffenen auswirkt, und - falls dem so ist - welche Schäden sie auch in der Gesellschaft hervorruft.

Unsere Frage ist, ob das Buch etwas in dem Bewusstsein der Journalisten bewegt. Die Antwort ist leider: "nein". Warum? Nun: Es wird immer veröffentlicht, was das Publikum sehen, lesen oder hören will. Unter Umständen bleibt da die Frage, ob und woher die Medien überhaupt wissen, was das Publikum will. Und die Journalisten wissen, dass es in einem Dorf, in dem jeder weiß was sein Nachbar macht, Zeitungen nur dafür benötigt werden, um zu zeigen wer erwischt worden ist.

Weder die Theorie der Medien, noch das Thema des Medienopfersyndroms werden hier zu meiner Zufriedenheit bearbeitet und Mario Gmürs Buch bleibt deswegen nur ein Startpunkt für eine weitere Diskussion über Medien und deren Opfer.

RW

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