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Der letzte Schamane

Die Tschuktschen-Saga

cover Der letzte Schamane | Unionsverlag 2004 | 351 Seiten | 12,90 Euro | von Juri Rytchëu

Beginnen wir mit ein paar Details aus dem Abenteuer: Im Zentrum der Geschichte steht Mletkin, der Mann, welcher der letzte Schamane seines Volkes sein wird. Von seinem Großvater in die Geheimnisse des Schamanimus eingeführt, begeht er bei einem Jagdzauber einen Fehler, der Hunger und Tod über den Stamm bringt und muss als Strafe seine Berufung überprüfen. Er wählt das Exil, das nur die Schamanen wählen können - die Wanderschaft. Eine Vision in der Eiswüste gibt ihm schließlich das Vertrauen in seine Fähigkeiten zurück und er heilt mit seinen magischen Kräften ein krankes Mädchen vom Stamm der Rentierzüchter, das letztlich für ihn als Frau vorherbestimmt ist. Doch sein Wissensdurst bringt ihn dazu, die Frau zu verlassen und sich Reisenden anzuschließen, die Sprachen der Fremden zu studieren sowie Lesen und Schreiben zu lernen. Seine Reisen führen ihn bis nach San Francisco und New York und als er eines Tages zurückkehrt, hat bereits das Gerücht seines Todes die Runde gemacht, die ihm versprochene Frau ist anderweitig verheiratet und Mutter eines Sohnes.

Ha, das hört sich ja spannend und kompliziert an. Ist es auch, prosaische Abenteuer und literarische Verwirrungen pflastern des Lesers Weg. Bis man beim Kern der oben genannten Geschichte angelangt ist, schlägt sich der Interessierte durch die letzten Jahrhunderte der Tschuktscheken-Saga, ohne dabei allerdings auf eine geordnete Chronologie zurückgreifen zu können. Der Roman ist eine Mischung aus Phantasie, Historiographie und Ethnologie, in dieser Zusammensetzung allerdings verwirrend und wenig konkret.

Sicherlich, hier handelt es sich um einen Roman, und nichts kann subjektiver sein als die Prosa eines Schriftstellers, der sein Herz - in diesem Fall seine eigene Stammesgeschichte - enthüllt. Die einen haben ähnliche Herzensangelegenheiten hinter sich und fühlen sich angesprochen, für die anderen spricht er eine fremde Sprache, die weder Sinn ergibt noch Spaß macht.

Auffällig in diesem Roman ist zumindest die fehlende Kohärenz und die häufigen Zeit- und Plotsprünge. Auch verleitet der Titel des Buches dazu, Magisches und Mythisches darin entdecken zu wollen, was leider im guten Vorsatz stecken bleibt. Natürlich sind Geschichten aus dem ewigen Eis immer etwas Besonderes, da sie mitteleuropäische Leseratten in ferne und geheimnisvolle Welten entführen, aber jeder Harry Potter kann mit einem Vielfachem an Transzendenz und Magie aufwarten. Vielleicht liegt darin ja auch der Reiz, dem der Rezensent nicht aufgegangen ist. Kalte, stille und klare Beschreibungen der nordöstlichen russischen Tundra, unspektakuläre und patriarchalische Sexualenthüllungen und Ansätze von Einblicken in das Leben eines fremden Volkes.

MG

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