Dünn und unscheinbar, von einer Maserung und Farbe wie eine Baumrinde, das ist das Papierhaus. Wer Bücher liebt, seine Seiten zärtlich streichelt, an ihnen riecht und sie immer um sich haben möchte, der wird mit diesem Werk wahre Momente des Glücks erleben.
"Im Frühjahr 1998 kaufte Bluma Lennon in einer Buchhandlung von Soho eine alte Ausgabe der Gedichte von Emily Dickinson und wurde an der ersten Straßenecke, als sie gerade beim zweiten Gedicht angelangt war, von einem Auto überfahren."
So beginnt das Buch und von Anfang an steht fest, dass es ihr Schicksal ist - der Tod, den ihr ein Buch beschert hat. Aber sie ist nicht die einzige, die ihrer bibliophilen Neigung erliegt: Da ist der Professor für klassische Philologie, der halbseitig gelähmt wird, weil einige Bände der Encyclopedia Britannica auf ihn herabstürzten. Oder ein chilenischer Hund, der sich an Dostojewskijs Werken überfrisst und stirbt. Im Vordergrund der Handlung steht jedoch der Nachfolger der toten Bluma, dem ein Buch voller Mörtelreste in die Hände fällt. Darin ist eine rätselhafte Widmung von Bluma: "Für Carlos, als Andenken an die verrückten Tage in Monterrey."
Die Neugierde des Dozenten ist geweckt und er macht sich auf die Suche nach der Lösung des Rätsels, dem Autor des mörtelverkrustetem Buches Charles Brauer. Dieser Carlos ist ein wahrer Büchernarr, der sein Leben dem Lesen von Büchern gewidmet hat, der endlos Bücher anhäuft und schließlich in dem Wahnsinn endet, ein Haus aus all seinen Büchern zu bauen.
Virtuos und mit einer unfassbaren Leichtigkeit erzählt Carlos María Domínguez von der Liebe zu Büchern und dem scheiternden Versuch, sich dieser Liebe zu entziehen. Filigran und edel, heiter und bekömmlich - ein Buch für Menschen, die Bücher lieben.
MM
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