Die Menschen Mexikos gelten als das katholischste Volk der Welt. Ist man jedoch im Lande, so werden einem kaum Kreuze mit Jesusfiguren begegnen. Nein: Eine heilige Jungfrau, stets betend und in äußerst farbenfrohen Gewändern in einer Art Haus stehend anzutreffen, ist an Jesus Stelle überall im Lande verteilt - an den Straßen, in den Wohnzimmern und Kirchen. Warum nimmt sie den Platz Jesu ein? Wieso hat sie einen derartig hohen Stellenwert? Wer ist sie, diese Jungfrau von Guadalupe und was ist ihre Geschichte?
Man schreibt das Jahr 1521, als die spanischen Conquistadores ins Land fallen und das Aztekenreich im Namen des Christentums auf grausame Art und Weise unterwerfen und ihre Kultur auslöschen. Wie im Blutrausch habe man das Indiovolk angetroffen, brutale Mörder und Antichristen seien sie gewesen, versucht die Kirche bis heute die Taten zu rechtfertigen. Eines vermochten sie damals jedoch nicht: Die Götter und Kultur in den Herzen der Menschen auszulöschen und sie durch ihren eigenen Gott und ihre eigene Kultur zu ersetzen. Bis 10 Jahre später - am 9. Dezember 1531 - die heilige Jungfrau Maria Juan Diego, einem der wenigen getauften Einheimischen, erscheint. Sie fordert ihn auf eine Kapelle zu bauen. Bei ihrer letzten Erscheinung schenkt sie ihm ein Bild - es ist auf der Kleidung Juan Diegos gemalt und zeigt das Porträt eines jungen Mädchens, bekleidet mit Rosengewand und Sternenmantel. Dieses Ereignis gilt als die Wende - die Ureinwohner begannen, sich ob des Wunders der neuen Religion zu ergeben.
Es ist faszinierend, welcher Kult sich um die Geschichte der Mariaerscheinung in Mexiko gebildet hat. In Mexiko-Stadt, wo an selbigem Ort inzwischen zwei weitere Kathedralen stehen, pilgern täglich Tausende von Gläubigen in die neuste der drei, um anhand von zahlreichen Rollbahnen an dem originalen Gewand des Indios Juan Diegos vorbeifahren. Äußerst kurios anzusehen ist dieses Schauspiel. Um die religiöse Fanatik, die oft im scheinbaren Widerspruch zu der aktiven Ausführung alter, "heidnischer" Rituale der Azteken und Maya steht, wirklich verstehen zu können, ist dieses Buch absolut empfehlenswert. Auch Kirchenkritiker wie ich werden trotz der frommen Einstellung des Autors endlich eine Ahnung davon kriegen, wieso die Mexikaner eben so glauben wie sie glauben.
MM
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Mexiko