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Ein Tattoo ist für immer

Faszinierende, unvergängliche Körperkunst

cover Ein Tattoo ist für immer | Schwarzkopf & Schwarzkopf | 426 Seiten | 39,90 Euro | von Marcel Feige

Was haben Ötzi und Thomas D. von den Fantastischen Vier gemeinsam? Richtig: Beide tragen Tätowierungen am Leib. Bei strengen Anhängern des Islam dürften die Hautverzierungen hingegen eher selten anzutreffen sein: Im Koran werden diese nämlich verworfen.
Wer sich für die ursprüngliche Bedeutung von Tattoos sowie deren Umsetzung in Deutschland interessiert, der findet in Marcel Feiges Tattoo-Buch, was sein Herz begehrt.

Das Kernstück dieses Bandes sind zweifellos die 650 Abbildungen, viele davon in Farbe und großem Format. Was den Textteil betrifft, lassen sich zwei Schwerpunkte ausmachen: Für den „Laien“, der Tätowierungen mit der Neugier des Außenstehenden betrachtet, ist vor allem der historische Überblick interessant. Dieser dokumentiert mit Hilfe eindrucksvoller historischer Aufnahmen, daß Tätowierungen schon um 1900 keine reine Männerangelegenheit mehr waren. Schade allerdings, daß bei den älteren Fotos oftmals der Hinweis fehlt, wann und wo genau sie entstanden sind.
Jene, die sich in der Szene ein wenig auskennen, dürften wiederum an den Porträts und Interviews mit berühmten Tätowierern ihre Freude haben: Felix Leu, Ralf Guttermann und Dieter Zalisz, um nur einige zu nennen. Die Lebensläufe der Profis belegen, wie leicht das Hobby trotz aller Widerstände zur Leidenschaft werden kann. Mitunter waren es gerade die Sprößlinge wohlhabender Familien, die an der gesellschaftlich verpönten Hautkunst Gefallen fanden.

Neben den prominenten Künstlern hat Marcel Feige auch zahlreiche Zufallsbegegnungen in Text und Bild festgehalten, um das bunte Völkchen der Tätowierten an der Basis zu erfassen. Die Befragung dieser Unbekannten wirkt bisweilen etwas monoton, da deren Antworten nicht immer so tiefsinnig ausfallen, wie manch einer es gern hätte. Aber darüber braucht sich niemand zu wundern, sind Tätowierungen doch längst zur Modeerscheinung geworden. Verständlich, daß diese Entwicklung dem Urgestein der Szene ein Dorn im Auge ist – auch wenn die Branche insgesamt davon profitiert.

Auch wenn es auf den ersten Blick paradox anmutet: Soziologen werden vermutlich kaum überrascht sein, daß Tätowierungen, die einst dazu dienten, sich vom Mainstream abzugrenzen, mittlerweile von Letzteren übernommen wurden. Dennoch: Träger großflächiger Tätowierungen ernten noch immer befremdete Blicke, wenn sie leicht bekleidet herumlaufen. Und für Angestellte birgt es noch immer gewisse Risiken, ihre Tattoos ungeniert zur Schau zu stellen.

Insgesamt ist Marcel Feige ein sehr übersichtlich gegliedertes Buch gelungen, das die höchst demokratische Auffassung vertritt, alle Seiten zu Wort kommen zu lassen: Tätowierer und Tätowierte, Rocker und Techno-Fans, Hippies und Hipster. Daß der Autor selbst ebenfalls tätowiert ist, trägt sehr zur Glaubwürdigkeit seiner Kommentare bei.
Und wer längere Texte scheut, der findet genug beeindruckendes Bildmaterial, um stunden- oder tagelang seine Neugier zu befriedigen.

JZ

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