In diesem umfassenden Pracht-Band über die Operette, der sich ideal zum Nachschlagen eignet, wird auch der hartnäckigste Verächter jener Spezies eines Besseren belehrt. Verfasser Volker Klotz schafft es mit seinem gut geschriebenen Buch mehr als bloßes Interesse zu wecken. Er schwört auf die szenischen Ereignisse, die „die suggestive Kraft der Operettenmusik entfalten“. Die Operette ist eine „vitale Kunst“, die sich nicht überlebt hat. Deren „produktive Spanne“ hat leider nur knapp zwei Menschenalter gehalten. Nach dem zweiten Weltkrieg wurde die Operette spießig und kam in Verruf.
Mehr als 100 Operetten hat Klotz untersucht. Im ersten Teil seines erstmals 1991 erschienenen, letzten Herbst überarbeiteten Bandes liefert er eine systematische Beschreibung des Genres. Mit Witz und schlagenden Beispielen zeichnet er die durchgängigen Eigenschaften dieser Kunstform, ihre Abgründe und ihre subversive Sprengkraft. Dabei wird deutlich, warum berühmte Regisseure wie Max Reinhardt die Operette so ernst nehmen konnten wie Shakespeare-Tragödien. Im zweiten Teil stellt der Autor Komponisten und deren Werke einzeln vor., von Abraham bis Zeller. Besonderer Wert wird auf „die szenische Physiognomie“ und deren „musikalischer Ausdrucksspielraum“ gelegt. Eine „zusammenhängende Geschichte der Operette“ war nicht beabsichtigt, vielmehr ein vielschichtiges Porträt der Gattung, was auch gelungen ist.
Freilich bleiben Seitenhiebe nicht aus. Hin und wieder sieht Klotz „Verirrungen dieser Kunst“ und stimmt ein Loblied auf die Offenbachiade an, „jene mehrdimensionalen Gesamtgebilde aus musikalischen, literarischen, dramatischen und szenischen Elementen“. Die Offenbachiade schließlich ist es, die mit ihrem subversiven Potenzial, ihrer Mischung aus Unterhaltung, Ironie und Witz, ihrer Gesellschafts- und Herrschaftskritik Zukunft für die Operette verspricht.
Es gibt nichts an vergleichbarer Literatur, die so sachlich und gründlich mit dem Thema umgeht wie Volker Klotz´ „Operette“. Dem Buch bleibt zu wünschen, dass es möglichst viele Leser findet, damit der Ruf der Operette rehabilitiert werde.
RK
Operette. Porträt und Handbuch einer unerhörten Kunst - Hier bestellen
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