Kann man wirtschaftspolitische Thematiken, noch dazu brandaktuelle wie die deutsche Konjunkturschwäche, leicht verständlich und massentauglich aufbereiten? So dass am Ende der Lektüre Leitzins, Deflation und Restriktionskurs als neu erworbene Vokabeln im Sprachschatz hängen bleiben? Sicher, möglich ist das, doch in dem aktuellen Buch vom Konjunkturexperten Gustav A. Horn geht es um etwas Anderes, nämlich um ökonomische Spielregeln und den daraus resultierenden Chancen, desolaten Wirtschaftslagen zu begegnen.
Die deutsche Krankheit, mit dem zentralen Kern der Lohnkostensenkung, wird ausgehend von der Weltwirtschaftskrise 2000, angeleuchtet, kritisch hinterfragt und mit anderen Wirtschaftsmächten wie den USA, Frankreich, Italien oder Großbritannien verglichen. Dabei schneidet das radikale Sparvorgehen der momentanen Bundesregierung besonders schlecht ab und anhand von vielen Grafiken lässt sich der deutsche Tiefstand eindrucksvoll illustrieren.
Der Autor ist nicht nur wegen seiner Auftritte im Fernsehen dazu beauftragt, neue Strategien und Lösungsmöglichkeiten vorzustellen und dies tut er auf den 197 Seiten methodisch einwandfrei: Auf die Einleitung folgt eine Analyse des Ist-Zustandes, gespickt mit vielen Erklärungen und Definitionen zu wirtschaftspolitischen Arbeitsfeldern. Nach dem internationalen Vergleich wird das Hauptaugenmerk auf die Situation der nationalen Wirtschaft gerichtet und deren Fehler systematisch aufgezeigt. Folgerichtig werden dann im letzten Kapitel zahlreiche Ideen und Vorschläge zur Verbesserung der Misere vorgestellt, wobei unter anderem auch internationale (Europäische Zentralbank) und soziale (Gesundheitsreform) Kontexte mit einbezogen werden.
Grundlegender Tenor: Stop dem Sparzwang, statt dessen Investitionen, unter anderem in den Kommunen. Ob dann alles gut wird? Sätze wie „schnelle und unbürokratische Hilfe muss bereit gestellt werden“ kennen wir auch von Politikern, ebenso die entsprechende Unfähigkeit die Anforderungen in die Praxis umzusetzen. Letztlich ist das Hauptargument (mehr Geld für die Konsumenten, höhere Löhne) nur eines von vielen, wenn auch ein konträres, im montanen Politdialog und zur Überprüfung fehlt Leser wie Autor die Handhabe.
Für den Wirtschaftslaien bietet das Buch einen interessanten Einstieg, macht es einen doch mit den gängigsten Prozessen und Wechselwirkungen des Kapitalmarktes und der Fiskal- und Wirtschaftspolitik vertraut. Dazu muss man allerdings auch einiges an Interesse und Reflektionsbereitschaft mitbringen – eine Bettlektüre sieht anders aus. Genau das war ja auch nicht das Ziel des Autors und so wird sein Plädoyer für einen neuen Wirtschaftskurs von Laien und Experten in einem nüchternen und analytischen Wirtschaftsdeutsch verstanden werden müssen, auch wenn der etwas reißerische Titel „Sparwut und Soziallabbau“ auf mehr Emotionalität und philosophischer Gesellschaftskritik hindeutet.
MG
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