Denkt man an die australische Fauna, so fallen einem meist zunächst die typischen Tiere ein: Kängurus, Koalas, giftige Schlangen und Spinnen, Krokodile, Haie, Quallen. Diese sind in dem knapp 360 Seiten starken Natur-Reiseführer von Lutz Fehling durchaus auch aufgeführt, mit allen Arten und Unterarten, aber das Buch gibt vor allem Aufschluss über die unbekanntere, aber nicht minder interessante Tierwelt Australiens: Da ist Dugong zu nennen, die Gabelschwanz-Seekuh, die von Seeleuten wegen ihrer sichtbaren Brüste und des Fischschwanzes auch Sirene genannt wurde. Ein Eintrag ist dem Dromedar oder Einhöckrigen Kamel gewidmet, da Australien mit mittlerweile einer Million der Tiere den weltweit höchsten Bestand aufweist. Dann gibt es den Magenbrüterfrosch, der seine Eier tatsächlich im Magen ausbrütet, und dafür sechs Wochen fastet.
Alle Tiere sind mit englischem, deutschem und lateinischem Namen aufgeführt; danach folgt eine Auflistung der wichtigsten Details, d.h. Einordnung in Familie und ggf. Unterfamilie, Aussehen, Lebensraum, Lebensweise, Nahrung, Entwicklung, Artenschutz, Vergleiche zu ähnlichen Tieren, Warnhinweise und ein Verweis auf das Überkapitel.
Der zweite Teil des Handbuchs befasst sich mit der australischen Flora; allen voran die vielen Eukalyptusarten über den bekannten Teebaumstrauch, der leuchtend gelb blüht, bis hin zu ungewöhnlichen Pflanzen wie dem Rotgrünen Kängurupfötchen, das seinem Namen alle Ehre macht.
Dabei wartet der Reiseführer trotz aller Kompaktheit (pro Seite werden zwei Tiere oder Pflanzen abgehandelt) neben den wichtigsten Daten noch mit allerhand Zusatzinformationen auf, beispielsweise dass Dromedare ab 1840 als Last- und Reittier im Outback eingesetzt wurden, oder dass die Dunkle Blindschleiche zum besseren Gleiten eine ölige Substanz, bei Gefahr dagegen einen penetranten Geruch absondert. Bei den Pflanzen erfährt man dagegen, dass die Aborigines aus dem harten Holz der farbenprächtigen Kimberley-Heide Bumerangs, Speere und Grabstöcke fertigen und aus den Blättern ein Öl zur Wundheilung gewinnen.
Mit das Schönste an dem Naturführer sind die Zeichnungen von Sharon Dye und Ted Poulter. Im Gegensatz zu Fotos ist es bei den Illustrationen zudem möglich, wirklich alle Details naturgetreu wiederzugeben. So ist bei den Pflanzen häufig neben der Gesamtdarstellung eine Detailzeichnung von Frucht, Samen, Blüten oder Wurzeln zu finden, die Glattrückige Schlangenhalsschildkröte rückt ihr Erkennungsmerkmal dekorativ in die Höhe, und die Termiten krabbeln um einen menschlichen Finger, um eine Idee von ihrer Größe zu geben.
Wer sich für die Tier- und Pflanzenwelt Australiens interessiert, kann mit diesem Führer eigentlich nichts falsch machen. Er informiert kompakt und spannend, weist ein ausführliches Stichwortverzeichnis und mehrere Extra-Infotafeln auf und ist zudem trotz seiner vielen Seiten klein genug (außerdem mit einem biegsamen Einband versehen), dass er in jeder Reisetasche und jedem Rucksack Platz findet. Unbedingt einpacken!
HM
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Verlag interconnections