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Meilensteine des Gedächtnisses

Die Zeit fragt nach der Zeit

cover DIE ZEIT Spiel »About Time« | DIE ZEIT Verlag | 39,95 Euro

Wie wichtig und bedeutsam der Faktor Zeit ist, kann man nicht nur am Sonnenstand und seinen entsprechenden Auswirkungen auf das Leben auf der Erde erkennen, sondern unter anderem in dem unsterblichen Roman von Michael Ende. Momo kämpft letztlich erfolgreich gegen die Zeitdiebe, und das Gefühl, den Moment des Lebens auszukosten bleibt als Geschenk für die Lesenden zurück. Doch nicht nur der Augenblick als generierender Zeitfaktor spielt im menschlichen Leben eine gewichtige Rolle, auch die Zeit als historisches Phänomen ist – gerade in unserer modernen Wissensgesellschaft – essentiell. Um letzteres geht es im neuen Spiel About time im Konkreten. Die Kenntnis, welche Begebenheiten sich in welchem Jahre abspielten.

Sechs Ereignisse sind auf einer Fragekarte versammelt, jeweils eines wird über das Spielfeld, auf dem die verschiedenen Spieler oder Teams ihre Figur würfeln, ermittelt. Zu verdanken haben wir dieses facetteneiche Angebot einer britischen Spieleerfindercrew, die 2007 erstmals ihr Konzept vorstellte und das sich fortan als äußerst erfolgreiches Brettspiel auf dem englischen Markt positionieren konnte. Der Zeit-Verlag, wie könnte es dem Namen nach auch anders sein, zeigt sich nun für die deutsche Umsetzung verantwortlich, wobei abgesehen von der Übersetzung der Fragen alle Prinzipien und Methodiken von den Inselkollegen übernommen wurden.

Quiz- und Wissensspiele haben glücklicherweise immer Hochsaison und so wird auch dieses zum Teil höchst innovative Geschehen sehr bald seine Freunde in Deutschland finden. Spielbrett und Ausrüstung kommen in modernster, stabiler und souveräner Aufmachung daher, rein optisch gewinnt das Spiel damit schon einmal erste Pluspunkte. Das oben erwähnte grundlegende Spielprinzip, nämlich die Kenntnis entsprechender Jahresdaten, wird durch zusätzliche Aktionsfelder und –karten hinlänglich erweitert. Dies ist sicher auch gut so, denn trotz allen Erfolges ist ja das banale Abfragen, wie man es von Trivial Pursuit kennt, mittlerweile nicht mehr up to date. Kniffe, Finessen und Handlungsoptionen wollen die Spieler nicht mehr missen, und genau davon hat es hierbei eine große Fülle.

Die strategisch entscheidende Rolle spielen letzen Endes Wertechips, die durch das entsprechende Wissen der Fragen erworben werden können und deren Gesamtanzahl am Ende über Sieg oder Niederlage entscheiden werden. Die Chips wiederum können auf bestimmten Spielbrettfeldern verloren gehen oder durch die Erhöhung des Potts (wo alle Chips vor der Runde platziert werden – Poker lässt grüßen) verdoppelt werden. Weitere Felder lassen die Möglichkeit eines ausgewählten Duells zu (nur zwei Spieler spielen um den Pott) oder lassen einen Zeitkarten ziehen, die dann wiederum eine besonders tragende Rolle im Spiel bekommen.

Die Frage-plus-Karte ermöglicht es nur dem Spieler, der sie ausspielt, einen weiteren der sechs Hinweise, die jede Karte für das Jahr beinhaltet, gezeigt zu bekommen. Die Zifferkarte verrät eine der Jahreszahlen, die Jokerkarte greift den Chiphaushalt des Gegners an. Die Interaktionsmöglichkeiten sind also neben der Wissensabfrage ausgezeichnet. Gerätselt wird in sechs Kategorien, die aufgrund ihrer Doppelbezeichnung (Technik und Wissen oder Literatur und Zeitgeist) sehr viel Kenntnisspielraum haben, so dass ein umfangreiches und universelles Knowledge abgefragt wird. Wobei hier eine kleine Einschränkung gemacht werden muss: Selbstverständlich haben die englischen Erfinder besonderen Wert auf eben jene Geschichte gelegt, und jene Zentrierung ist in der deutschen Übersetzung bis jetzt noch nicht geändert worden. Die absolute Toppunktzahl in der Bewertung dieses Spiels würde es sicher geben, erweitert man den Fragenkatalog um eben jene mitteleuropäischen Bereiche.

Dennoch: About Time ist ein richtig gutes und abwechslungsreiches Spiel, das viele Überraschungen parat hält. So haben wir hier bislang weder die lustigen Spielfiguren (Kleopatra, Napoleon, Shakespeare oder ähnliche) ebenso wenig erwähnt wie die entgegen der obigen Aussage einmalige deutsche Besonderheit der Titelblätter der Wochenzeitschrift Die Zeit, die anhand von Bildern und Überschriften ebenso einem Jahr zugeordnet werden wollen wie die normalen Ereigniskarten. So würde ich abschließend ein fast sehr gut als Note für dieses Spiel abgeben, denn diese Art von Quiz ist neu und aufgrund seiner vielen Funktionen lebendig. Die Eins ohne Abzug gibt es dann für die mehr auf die entsprechenden Bedürfnisse der hiesigen Spielenation ausgerichteten Fragen.

MG

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