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What a history!

Der letzte lebende Rockmonolith

cover Neil Young, Long may you run. The Illustrated History | Edition Olms | 224 Seiten | 24,95 Euro | von Daniel Durchholz, Garry Graff

Der vielleicht letzte große Rockstar unseres Planeten wird hier gefeiert; die Ikone, die 1968 überlebte und immer noch großartige Musik macht, im Gegensatz zu Aufziehfiguren wie den Rolling Stones. Die Rede ist von Neil Percival Young, dem 1945 geborenen US-Amerikaner, der seit seinen Anfangstagen bei Buffalo Springfield bis heute ununterbrochen von sich hören macht. Und das mit fantastischen Aufnahmen, wunderbaren Texten und einer authentischen Performance, die ihresgleichen sucht. Und rocken kann er auch mit über 60 noch wie kein Zweiter.

Eine wunderbare Gelegenheit, diesem Genius näherzukommen bietet die Edition Olms, die eine amerikanische Biographie von Daniel Durchholz und Gary Graff in Deutschland aufgelegt hat. Mit über 400 Fotographien, zahlreichen Platten- und Singlescover-Reproduktionen und sonst so nicht mehr zu findenden Ticket- und Backstagepässen. Das Ganze in Englisch, was meines Erachtens die illustrierte Angelegenheit nur noch authentischer und erfahrbarer macht. Neben der wunderbar bebilderten Darstellung offerieren die Autoren, sich intensiv mit Leben und Werk des Künstlers auseinandergesetzt zu haben. Zitate, Hintergrundberichte und Anekdoten ehemaliger Weggefährten sind wie bunte Farbtupfer in die Collage eingeflochten.

Mit Kindheit und Jugend, Youngs ersten musikalischen Anfängen und dem Durchbruch mit Buffalo Springfield geht alles los. Höhepunkt des Schaffens und auch der Informationsdichte dieses Buches ist die Crosby-, Stills-, Nash- and Young-Ära der hippigsten aller Zeiten Ende der 1960er Jahre sowie Youngs darauffolgende Solokarriere mit der sagenumwobenen Band Crazy Horse, die ihn noch heute bei seinen Tourneen begleitet. Doch auch die Jahre, in denen es etwas ruhiger wurde und Young sein Alterswerk vorantrieb und sich für vielerlei andere Aktivitäten einsetzte (vor allen Dingen im Rahmen der Gleichberechtigung und der Umwelt) finden reichlich Erwähnung. Bis in die Postmilleniumsjahre reicht der Rückblick, mehr als 40 Jahre also hat Young, der Überkünstler, schon auf dem Buckel.

Das Besondere an dieser nicht ganz vollständigen Biographie (diesen Anspruch erhebt es aber auch gar nicht) sind die zahlreichen Interviews (von heute wie von damals), die Zitate, die Reminiszenzen alter Kollegen, die Schnipsel aus Zeitung und Musikzeitschrift. Liebevoll zusammengetragen und bewegend intoniert. Genauso wie Young auf der Bühne leibhaftig den Tanz des Magiers aufführt, ohne dabei allzu sehr an formale Fesseln gebunden zu sein, legen Durchholz und Graff eine bunte Melange von Bildern, Gerüchen, Tönen und Anekdoten vor; ganz so, als habe man mehrere Tage lang auf dem Dachboden rumgestöbert.

Feines Extra sind eine bebilderte Komplettdiskographie aller Alben am Ende des Buches sowie eine Auflistung aller Singles, seiner Gastauftritte, Filmrollen, der Mitmusiker und der Tribute-Alben. Das Ende und der Anhnag sind sehr ausführlich, der Rest ist kompakt und herrlich bunt. Neil Young möchte man nach der Lektüre dieses Buches noch mehr als je zuvor live erleben, denn man weiß: er ist der letzte Dino, der es wert ist, die alte Schule der Rockmusik mit all ihrer Gewalt einzusaugen.

MG

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