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Dschungelkind

Der Weg vom Dschungel in die Zivilisation

cover Dschungelkind | Droemer/Knaur 2005 | 345 Seiten | 9,95 Euro | von Sabine Kuegler

Hätten Sie Angst, wenn Sie auf einmal in einem undurchsichtigen, schwülen Dschungel ständen, umgeben von fremdartigen riesigen Pflanzen, im Gebüsch und am Boden unbekanntes Getier? Ihnen als Mitteleuropäer und somit vermutlich Dschungelfremden wäre wohl ebenso Angst und Bange wie einem Dschungelbewohner, der sich auf dem Hamburger Bahnhof zum ersten Mal in seinem Leben mit so etwas gewaltigem wie einer Lok konfrontiert sieht.

Genauso ergeht es dem Dschungelkind Sabine Kuegler, als sie mit 17 Jahren auf ein Schweizer Internat geschickt wird. Sie hat die letzten 9 Jahre ihres Lebens gemeinsam mit den Fayu im Urwald in West Papua, Indonesien verbracht. Ihr Vater hatte seine Familie im Jahre 1980 zu dem bis dahin unerforschten Stamm mitgenommen. Mit dem - fragwürdigen - Ziel, das "Licht Jesu" zu den Fayu zu bringen. Wirft man mal einen Blick auf die Seite der Gesellschaft für bedrohte Völker erfährt man dazu mehr:
"Sabine Kueglers Vater wirkte in Westpapua als Missionar der Wycliffe Bibelgesellschaft aus Texas (USA). Gemeinsam mit dem Summer Institute of Linguistics (SIL) betreiben die evangelikalen Missionare seit Mitte der dreißiger Jahre des letzten Jahrhunderts Sprachstudien unter besonders zurückgezogen lebenden indigenen Völkern in aller Welt, um diese Völker zum christlichen Glauben zu „bekehren“."
Nun wollen wir aber nicht die Vorgehensweise einer Bibelgruppe kritisieren, sondern vielmehr den Inhalt des Buches.

Das Mädchen Sabine Kuegler wächst bei den Fayu auf, jedoch im Kreise ihrer Familie und somit mit europäischen Wertvorstellungen und der Bildung, die ihr in diesem Rahmen übermittelt werden kann. Auch lernt sie die Gebräuche des Stammes kennen, schwimmt, jagt und handelt zumindest teilweise wie eine Fayu. Dieser Bericht wird in der Ich-Perspektive erzählt und ist, soweit die Tatsachen korrekt sind, ein autobiographisches Werk. Die Erzählung wirkt jedoch mitunter etwas naiv und oberflächlich. Nicht zu erwarten sind die von der Boulevard-Presse angekündigten Kannibalengeschichten, vielmehr ist es eine Hommage an den Vater, der die Selbstausrottung aufgrund der Übermittlung christlicher Wertvorstellungen verhindert und somit das Überleben des Stammes gesichert habe.

Die hübsche Frau auf dem Cover ist übrigens Sabine Kuegler selbst, die dieses Buch, wie sie betont, vor allem auch für sich selbst geschrieben hat - zwecks Selbstfindung. Dieses Motiv ist gut nachvollziehbar, wenn man bedenkt in was für unterschiedlichen Kulturen sie gelebt hat. Auch ist es ganz interessant, einmal in das Kind hineinzusehen, das dort im Dschungel aufwuchs. Ich wünsche Sabine Kuegler jedenfalls, dass das Buch sie auf den richtigen Weg bringt, und sie ihre wahre Zugehörigkeit finden möge.
Für uns Leser ist das Buch ein warmherziger, exotischer Frauenroman, der viele lustige, aber auch manch traurige Anekdote bereithält. Nicht weniger, aber auch nicht mehr.

MM

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