Der Brockhaus Verlag feiert derzeit sein 200jähriges Bestehen - ein stolzes Jubiläum des renomierten Lexikaverlages. Friedrich Arnold Brockhaus gründete 1805 den Verlag und begann mit seiner Arbeit als Herausgeber von Enzyklopädien.
Neben der bekannten Brockhaus Enzyklopädie die demnächst in der 21. Auflage in 30 Bänden erscheint, ist auch eine Reihe Sachbuch-Enzyklopädien erhältlich, die sich auf ein ganz bestimmtes Thema konzentrieren - in diesem Falle die Literatur. Alphabetisch angeordnet von A bis Z finden sich hier sämtliche relevanten Stichworte und Namen zum Thema Literatur. 3000 Schrifsteller, ihre wichtigsten Werke (10.000) sowie 1000 Sachbegriffe aus der allgemeinen Literatur und deren Geschichte bieten einen weitgreifenden Überblick über die Weltliteratur. Unabhängig von Land und Kultur sind hier alle nationalen und internationalen Fakten von Relevanz zu finden.
24 Sonderartikel, wie zum Beispiel "Erotik in der Literatur" und "Neue Medien" beleuchten geschichtliche und zeitgenössische Phänomene und Themen der Literatur, die besondere Erwähnung verdienen. Hervorgehobene Infokästchen stellen Hauptwerke der nationalen internationalen Litaratur vor, von Homers "Odyssee" über Goethes "Die Leiden des jungen Werter" bis zu Rushdies "Die satanischen Verse".
Über 1000 anschauliche Graphiken, Portäts, Textabbildungen, Coverfotos oder zeitspezifische Gemälde vervollständigen die Übersicht und passen sich gut in das graphisch gelungene Konzept des Werkes ein.
Aber braucht man im Zeitalter des Internet tatsächlich noch so ein sperriges, unhandliches Nachschlagewerk, das gute acht Zentimeter Platz im Regal einfordert - wo es doch heutzutage so einfach ist, mit ein paar Klicks die Informationen online abzurufen?
Heute steht der Verlag Brockhaus wie viele andere Verlage vor dem Problem, daß interaktive (und kostenlose) Lexika und Enzyklopädien wie Wikipedia dem Medium Buch den Rang ablaufen und zu einer ernsthaften Konkurrenz um die Gunst des Lesers werden - vor allem die jüngere Generation der 12 bis dreißigjährigen recherchiert beinahe ausschließlich im Internet. Wieso also knapp 50 € für ein Werk ausgeben, das nicht per Mausklick aktualisiert werden kann, sondern immer auf dem Wissensstand des Erscheinungstermins stehen bleibt?
Die Buchform hat den Vorteil stets greifbar zu sein und nicht von den Launen eines Modems oder einer unbezahlten Telefonrechnung abhängig zu sein. Eine Brockhaus Enzyklopädie wartet geduldig und mitunter mit einer dünnen Staubschicht im Bücherregal auf ihren Einsatz.
Der Fortschritt des interaktiven Buches ist unaufhaltsam. Aber wollen wir wirklich auf den Geruch frisch gedruckter Seiten, auf den eindrucksvollen Buchrücken im Regal verzichten? Die Entscheidung bleibt jedem selbst überlassen. Ich jedenfalls empfehle jedem Studenten, Lehrer, Professor, Buchhändler, Verleger und Buchliebhaber
MM
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