Wenn ich Einleitungssätze schreibe wie, "grad tut es draußen regnen", dann beschimpft mich mein Chefredakteur aufs Übelste. Irgendwann wird er mich dafür wohl auch verhauen. Verstehen kann ich seine Neigung zu akribischer germanistischer Ästhetik, andererseits will ich damit doch gerade nur meinen juvenilen Gefühlen Ausdruck verleihen, die ganz und gar unästhetisch, aber dafür um so Emotionaleres kundtun möchten. Da bietet sich doch so ein Tu-Satz geradezu himmlisch an. Weil es nämlich draußen regnen tut, kann ich die schönen Wandervorschläge im Elsass aus dem mehr als gelungenen Wanderfüher des Michael-Müller Verlages nicht ausprobieren.
Und trotzdem erlaube ich mir, eine sensationelle Superrezension für diesen Führer zu schreiben. Denn es ist nicht der erste dieser Art, den ich sehe, aber mit großem Abstand der beste. Der deutsche Wandermuff mit seiner "Folge doch einfach der gelben Raute"-Erklärung, die oft genug ins Unglück geführt hat, ist endlich passé. Hier ist wirklich alles beantwortet und bereitgestellt, was ich mir in der heutigen Zeit wünsche. Also eine Vielzahl von Wegen mit unterschiedlichem Niveau und entsprechend optischer Kennzeichnung. GPS-Daten, ein Zeit-Höhen-Diagramm, topographische Ausschnitte mit wirklich wichtigen Informationen und nahezu geodätisch korrekte Wegpunkte.
Besonders die Wegpunkte, die ja normalerweise einfach in die alten Wanderkarten nach Gutdünken eingezeichnet wurden, sind hier mit GPS nachgemessen und weichen maximal 10 Meter vom tatsächlichen Ort ab. Das Zeit-Höhen-Diagramm sieht in etwa so aus wie die mediale Vorstellung der Tour-de-France-Etappen im Fernsehen und ist wahrscheinlich genau so hilfreich. Wenigstens weiß man dann nicht nur, wie viele, sondern vor allen Dingen wann die Höhenmeter auf einen zukommen und wie lange man an der entsprechenden Stelle unterwegs sein sollte. Ehrlich, ich wäre nicht so begeistert, hätte ich es nicht schon hundertfach gruseliger und nervenaufreibender gesehen und anschließend erlebt.
Muss man zum Elsass noch etwas sagen? Die eine Hälfte des Drachenrückens, dessen Mitte der mächtige Rhein bildet, und dessen andere Hälfte der Schwarzwald ist. So bezeichneten jedenfalls die alten Kelten diese vegetativ reizvolle Landschaft, die aber nicht nur mit Flora und Fauna aufwarten kann, sondern auch mit typischer elsässischer Gemütlichkeit und Besonderheit. Die wird auf den Anfangsseiten natürlich auch beschrieben, plus die handelsüblichen Klimatabellen und was wir sonst noch so als Generalinformationen benötigen. Viel wichtiger sind dann aber die 38 Routen, die zudem auf einer ausklappbaren Karte eingezeichnet sind, so daß man direkt entscheiden kann, wie man wohin fahren möchte.
Das Schönste dann auf der Innenseite des Rückumschlages: Die Feststellung, dass es einige weitere dieser Art von Führern im Handel gibt. Von den Alpen bis nach Kreta und Gomera. Danke schon mal dafür und die Gewähr, dass auch diese in naher Zukunft rezensiert werden wollen, denn selten haben Wanderführer diese optimale Mischung für bescheidene und anspruchsvolle Naturfreunde gefunden, dazu optisch und anwenderfreundlich bestmöglich aufbereitet.
MG
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