2010 fallen der Tag der deutschen Einheit und das Erntedankfest auf einen Tag. Ist das nicht sensationell? Nein, natürlich nicht. Sensationell wäre es, wenn Ostern und Weihnachten auf den gleichen Tag fielen, aber den Gefallen haben uns Sonne und Mond ja noch nicht getan. Wo wir gerade bei den existentiellen Körpern unseres Lebenskosmos angelangt sind: Bei dieser Besprechung handelt es sich um einen Kalender, und eben jene Lebensmacher spielen dabei eine äußerst untergeordnete Rolle.
Sonnen- und Mondaufgänge und die obligatorischen Sternzeichen fehlen in diesem Kalender, was ja nix macht, denn ein anderes leuchtendes Wesen steht ja im Mittelpunkt. Auch die Feiertage, nebst seltsam archaischer Gedenktage wie Totensonntag oder eben auch das Erntedankfest, werden nicht am Tag selbst vermerkt, sondern stehen in klitzekleiner Klitzekleinschrift ziemlich weit unten auf dem jeweiligen Halbmonatsblatt. Eine sehr rudimentäre und ungewöhnlich sparsame Maßnahme, die aber immerhin dazu verleitet, diesen Kalender weniger als Informationsbegleiter zu betrachten, sondern als Hochachtung vor einem der größten deutschen Komiker: Loriot.
Gegen Loriot kann man ja eigentlich nix sagen, dementsprechend sind auch die 24 Blätter (auch ungewöhnlich: es handelt sich hier um einen Halbmonatskalender) mit subtilen, zarten, köstlichen Satirecomics vom Meister selbst versehen. Die meisten von ihnen kommen als Zeichenfolge mit entsprechender Unterschrift daher, so wie wir das von unserer Tageszeitung gewohnt waren. Oder sind, je nachdem, welche Zeitung man noch liest.
Irgendwie schön komisch und irgendwie schön sparsam und irgendwie auch okay. Ist ein lustiger Kalender, und Loriot ist auch lustig, aber diese Halbmonate und die erst weggelassenen und dann doch wieder angefügten Feier- und Gedenktage des "Volkes" muten seltsam an. Kann ich auch nicht näher erklären, persönliche Sichtweise sozusagen.
Als Empfehlung: Loriotfreaks haben hier den passenden Kalender - und solche, die es noch werden wollen, auch. Vor allen Dingen aber diejenigen, die der althergebrachten 12-Monats-Struktur mal eins auswischen wollen, können hier mit Halbmonaten ordentlich punkten. Ob das die Zukunft des Kalenderwesens ist, bleibt fraglich, aber immerhin passen so mehr Gags von Loriot drauf. Aber wenn das der Grund war, warum dann nicht einen Wochenkalender?
MG
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