Eine ganz normale Biographie des King of Pop wollte Künzler schreiben, die passend zu seiner großen Comeback-Tournee im Sommer 2009 erscheinen sollte. Das Schicksal wollte es anders, und makabererweise führt Black or White nun die Reihe sicherlich zu erwartender Biographien an, nachdem Michael Jackson überraschend verstarb.
Sorgfältig rollt der erfahrene Musikkritiker Stück für Stück Jacksons Bühnengeschichte auf; benutzt die erste Single des Musikers, um sein Leben etwas platt in positive und negative Seiten zu unterteilen. Nichtsdestotrotz gelingt es dem Autor gerade in musikhistorischer Hinsicht, einen umfassenden Einblick in den rasanten Aufstieg eines der bekanntesten Weltstars zu liefern.
An etwas beisst sich Künzler allerdings die Zähne aus, und es verwundert nicht, dass ein von Jackson selbst nicht autorisiertes Porträt eines derart privaten Mannes (ganze vier Interviews gab der scheue Superstar im Laufe seiner Karriere) niemals "ganz nah dran" sein kann. Stattdessen liefert der Autor ein mit Akribie zusammengetragenes Mosaik des Menschen Michael Jackson; zahllose Kommentare, Beobachtungen und Meinungen Dritter hat Künzler gesammelt und in eine chronologische Reihenfolge gebracht.
Das ist sicherlich gerade für diejenigen interessant, die sich für den Menschen hinter der (Atemschutz-)Maske des Superstars interessieren - hartgesottene Fans werden aber schwerlich etwas Neues erfahren.
So bleibt die Biographie letztlich ein Blick aus der Ferne auf einen von Skandalen zerrissenen, einsamen Mann.
HM
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Verlag interconnections