Der Autor ist freier Radio-, Buch- und Dokumentarfilmautor. Dass er ein gutes Gespür für Worte hat, merkt man gleich bei der Lektüre, die heiter-ironisch ist und keineswegs an einen normalen Reiseführer erinnert - wie es der Titel ja auch schon andeutet.
Das wird gleich im ersten Kapitel deutlich, als dem Autor und seiner Begleitung Dulcinea der Wagen aufgebrochen und durchwühlt wird und die beiden beschließen, obwohl nichts gestohlen wurde, eine Anzeige aufzugeben - einfach aus Neugierde, wie das in Spanien wohl so ablaufe, um die landeskundlichen Kenntnisse zu vertiefen ... und tatsächlich ist Wagemann ganz fasziniert von den Vorgängen auf der Polizeiwache, von dem Comandante, dem vom ungewohnten Tippen auf der Schreibmaschine die Schweißperlen von der Stirn tropfen (Der junge kräftige Mann scheut vor jedem Anschlag auf seiner Maschine wie ein Pferd vor einer zu hoch gelegten Stange).
Dass auch die Begleitung des Autors Humor hat, zeigt sich, wenn ihn die durch ihn behinderte "Möchtegern-Strandhockerin" von den Freuden des Strandalltags überzeugen möchte: "Das Ganze ist so harmlos. Wer im Sand liegt, tut nichts, weder Gutes noch Schlechts. Er liegt da und schwitzt, er atmet ein und aus. Wer im Sand liegt, fährt auch nicht mit dem Auto! Und wenn man daran denkt, was all diese Millionen und Abermillionen von Menschen tun könnten, wenn sei nicht im Sand lägen ... Stell dir vor, die Strandhocker würden stattdessen in ihrer Freizeit töpfern. Man könnte nirgendwo mehr hintreten, von der Costa Brava bis Cádiz, alles stünde voller Töpfe und Schalen und Schüsseln und Vasen und Putten und Platten und Pötten."
So durchstreifen sie das Land, der Autor und seine Dulcinea. Gerne abseits der Touristenpfade, auf den Spuren der Pyrenäen-Geier, verzückt Jamón de bellotas verkostend, trotz der "aus Deutschland mitgebrachten unterschwelligen Vorbehalte und Schuldgefühle beim Fleischessen", die dem Autor Alpträume in Form vorwurfsvoller prothesengestützter Schweine bescheren.
Mit spitzer Feder wird hier durchaus liebevoll ein Land beschrieben, das zumindest eine Zeitlang zur Wahlheimat Wagemanns wurde. In einer Anekdotensammlung ergeht sich der Autor in philosophischen Betrachtungen; sinniert über honra (Ehre) und soberbia (Stolz) des iberischen Autofahrers, verkostet Parmesan-Eis zwischen Kartoffel-Chips, Seeigelcocktails und andere "magische Gerichte" bei El Bulli, beobachtet die vom Auerochsen abstammenden Kampfstiere.
Ein gelungenes Mosaik Spaniens; zugegeben, eines sehr persönlichen Spaniens. Nichtsdestotrotz ergeben Wagemanns subjektive Eindrücke eine äußerst vergnügliche Lektüre.
HM
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