Das Cover mit seinen intensiven, fröhlich bunten - fast psychedelischen - Mustern erinnert an kunstvoll verzierten Murano-Schmuck. Winzige perfekte Bilder, Blütenmotive, Tiere, Obst-Stilleben, reihen sich wie Perlen aneinander.
Das führt uns zu der Frage: birgt die Reihe um die Geschichten fürs Handgepäck, die der Unionsverlag 2007 ins Leben rief, tatsächlich kleine Juwelen?
Rein vom Optischen her kann man diese Frage gleich mal mit "ja" beantworten. Die Titelbilder sind ausnahmslos außerordentlich schön - ästhetische Schnappschüsse des jeweiligen Landes.
Und wie sieht das vom Inhalt her aus? Zunächst ist zu bemerken, dass es sich nicht um Reiseführer handelt, sondern um eine Sammlung von Geschichten, die ein Gefühl über das jeweilige Land geben möchte.
In der längsten Geschichte der Anthologie, Tijuana City Blues von Gabriel Trujillo Muñoz, wird Rechtsanwalt Morgado von dem Kunsttischler El Güero gebeten, seinen Vaters zu suchen, der verschwand, nachdem er als ahnungsloser Drogenkurier aufflog ...
Die Geschichten handeln von Mexikos Vergangenheit und Gegenwart, von Prostituierten und Drogendealern, aber auch von wunderschöner Landschaft und Erdverbundenheit, von Tequilaorgien und Blumen aus Blut, von weißen und gelben Schmetterlingen und kunstvoll geflochtenen Körbchen.
Unter anderem schwärmen so berühmte Zeitgenossen wie Pablo Neruda: "Mexiko mit seinem Feigenkaktus und der Schlange, blühendes, stachliges Mexiko, trocken und orkanreich, gewaltig in Entwurf und Farbe, gewaltig in Eruption und Kreation ..."
Wer gerne Belletristik aus und über das Land liest, das er gerade besucht, ist mit dieser Geschichtensammlung sicherlich gut beraten.
HM
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Verlag interconnections