Literaturkritiker habens nicht leicht. Sind sie doch wiederum von Kritikern umgeben, aus deren Mündern Sätze wie "Wer nicht schreiben kann, rezensiert" stammen. Oder Walsers "Tod eines Kritikers", dessen Titel allein schon einige wohl bekannte Kritiker zum überschäumen brachte. Aber die Literaturkritik kann sich als ein seit dreihundert Jahren bestehendes Gewerbe brüsten und wird sich auch noch viele weitere Kritiken (vor allem von Seiten der Verfasser) gefallen lassen müssen - und wird sie überleben.
Die Literaturkritik dient als Vermittlungsinstanz zwischen Literatur und Leser - sie will nicht verletzen sondern informieren, nicht Streit verursachen sondern Aufklärung leisten. Sie ist Warnung und Werbung zugleich - negative Kritik kann mitunter sogar einen derartigen Effekt auslösen, dass er dem Verlag nur entgegenkommen kann. Das Werk "Literaturkritik" aus der Beck`schen Reihe behandelt vor allem die Geschichte und Entwicklung der literarischen Kritik der letzen 300 Jahre - von deren Entstehung bis heute.
Die einzelnen Kapitel werden von den Autoren bzw. Literaturkritikern Ralf Georg Bogner, Oliver Pfohlmann, Thomas Anz und Maria Zens verfasst. Der Großteil des Werkes deckt die Geschichte ab. Dabei ist unter anderen der Artikel "Literaturkritik in der Zeit des Word Wide Web" sehr lesenswert.
Im Kapitel "Theorie und Praxis der Literaturkritik heute" erfahren wir mehr über deren heutige Definition und Funktion. Interessant: "Literaturkritik als (Neben-)Berf: Informationen und Anleitungen zur Praxis".
Ein reich mit Zitaten gespickter, literarisch anspruchsvoller Überblick über die Literaturkritik. Empfehlenswert!
» Da hatt ich einen Kerl zu Gast, er war mir eben nicht zur Last;
Ich hatt just mein gewöhnlich Essen, hat sich der Kerl pumpsatt gefressen, zum Nachtisch, was ich gespeichert hatt.
Und kaum ist mir der Kerl so satt, tut ihn der Teufel zum Nachbar führen, über mein Essen zu räsonieren:
»Die Supp hätt können gewürzter sein, der Braten brauner, firner der Wein.«
Der Tausendsakerment!
Schlagt ihn tot, den Hund! Es ist ein Rezensent. «
J.W. Goethe
|
MM
Beck`sche Reihe: Literaturkritik hier bestellen
Publishers Partner