Hamburg zu entdecken, bleibt ein Abenteuer: wegen des Aufbruchs der Hansemetropole ins 21. Jh., aber auch weil die Stadt ihre vielseitige Lagen am Wasser mit städtebaulichen Konzepten völlig neu erobert. Dies belegen die Luftaufnahmen von Michael Zapf mehr als eindrücklich.
Dass die Bilder das Versprechen halten, Stimmungsbilder der Sinnlichkeit mit ungewohnten Perspektiven und Bildkompositionen zu sein, unterstreicht schon das Coverbild: Queen Mary 2 vor Michel und Landungsbrücken im Hafen und das in „Zielske-eskem“ Licht: ein Traum!
Ja, Zapf wird seinem Anspruch, mit seinen Luftbildern nicht nur dokumentieren, sondern auch Formen, Muster und Lichtspiele zeigen zu wollen, zumindest schon im letzten Punkt gerecht. Aber auch den anderen, denn die Bilder veranschaulichen wunderbar, wie hier Wasser und Land „ineinander greifen“ - was sowohl den Reiz bzw. die Besonderheit als auch das Wachstum bzw. den Wohlstand Hamburgs ausmacht – als auch ganz einfach das Stadtbild prägt.
Das Buch gliedert sich in sechs Themen und ein Personenregister. In „Die Stadt und ihre Gewässer“ erläutert Jörn Walter, der die Textbeiträge liefert, wie Gewässer und dadurch erforderliche Modifikationen die Stadt durch ihre Geschichte letztlich mehr beeinflusst als all ihre Hochbauten. Zudem erkenne man an den Wasserbaumaßnahmen letztlich wohl auch den Charakter der Stadt: unbeugsamer Überlebenswille und Bereitschaft zu radikaler Veränderung – und sei es „nur“ aus Einsicht in das Notwendige. „Die Stadt und ihr Hafen“ stellt den Hafen als Motor, als Herz der Stadt vor.
Mit ein wenig Wehmut wird ein Bild des „alten Hafens“, das man am Hafengeburtstag noch ahnen kann, gezeichnet. Aber hierin verharrt man in Hamburg natürlich nicht – denn bloßes „früher war alles besser“ funktioniert hier wohl nicht - nein das neue Bild sei ebenfalls reizvoll – und ja, das belegen die Bilder: Zum einen ist es erstaunlich, wie „zierlich“ Container(schiffe) auf den Bildern wirken – zum anderen ist allein das Bild des Schiffsschraubenlagers von Blohm + Voss einfach nur genial!
Stets wird erklärt, welche Auswirkungen welche Veränderungen auf die Stadt hatten bzw. haben werden (z. B. neue Möglichkeiten der Entwicklung von Flächen am Hafen durch die Neuorientierung von Stückgut zu Containerverkehr). Zudem verbindet Walter seine Schilderungen der Landschaft oder Architektur immer wieder mit dem „Charakter der Stadt“ (z. B. Parks bzw. klassizistische Villen in Bezug auf hanseatische Offenheit und Zurückhaltung). In „Die Stadt und ihre Bauten“ lernt man, dass abgesehen davon, dass neben dem Charakteristikum der Hamburger Baukultur, „mit dem Wasser zu bauen“, ein weiteres die „Unterteilung“ in „ein rotes und ein weißes Hamburg“ ist.
Insgesamt vermittelt das Buch das Gefühl, dass sich hier zwei gefunden haben, die was von dem verstehen, was sie tun – und es zu lieben scheinen! Traumhafte und teils wirklich ungewöhnliche Bilder und kenntnisreiche Informationen machen dieses Buch zu einem echten Genuss! „Bildbandtypisch“ enthält das Buch vergleichsweise wenig Text, was aber nicht dazu führt, dass es schnell lesbar wäre. Denn die Texte nichts für Leute, die maximal 2-Zeiler verstehen – wohltuend, aber nicht „leicht konsumierbar“ – allerdings wäre es auch schade, durch das Buch zu „hetzen“.
SW
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