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Sprachsammelsurium

Kurzweiliger Einblick in die "Abgründe" unserer Sprache

cover Die alte Schachtel ist nicht aus Pappe. | Dtv Verlag | 256 Seiten | 9,50 Euro | von Wolfgang Seidel

In Die alte Schachtel ist nicht aus Pappe geht Wolfgang Seidel dem bereits in Woher kommt das schwarze Schaf? bewährten Prinzip nach, zu verfolgen, was hinter unseren Wörtern und Redewendungen steckt. Dass er schon den zweiten Band gefüllt hat, spricht auch dafür, dass diese Informationen nicht nur Sprachwissenschaftler interessieren (hier geht ein kurzer Dank an Bastian Sick, der wohl einen großen Beitrag zum wiedererwachten Interesse an unserer Sprache geleistet hat).

Und tatsächlich: Unsere Sprache lohnt es, mal genauer hinzuschauen, denn gerade weil der erste Blick oft in die Irre führt, stößt man bei genauerer Betrachtung auf vieles Interessante, Kuriose und Vergnügliche. So erfährt man, wo das Wolkenkuckucksheim liegt, dass ein Butler ein Herr der Flaschen ist, woher der Scheibenkleister oder die Rabeneltern ihre Bezeichnung haben und dass Cappuccino und Kapelle sprachgeschichtlich verwandt sind.

Viel Raum nimmt auch die Erklärung ein, woher diverse Schimpfwörter kommen, denn muss jemand, den man Armleuchter nennt, erst aus dem Arm leuchten?! Auch die Zimtziege hat keinen Zimt vertilgt, und wie der Titel schon verrät, ist die alte Schachtel nicht von Pappe. Und wer hätte geahnt, dass Schnalle aus der Jägersprache kommt?

Außerdem stellt sich heraus, dass die Sprachgeschichte der Wörter nicht zuletzt von Entlehnungen, Veränderungen und vom Austausch zwischen Sprachen allgemein lebt. Denn was wären andere Sprachen ohne die deutschen Ausdrücke Bauhaus, Biergarten oder Eiszeit?

Dennoch kann und will Die alte Schachtel kein etymologisches Wörterbuch sein, sondern vielmehr eine informative Sammlung von Kuriosem. Dank des Stichwortverzeichnisses eignet sich dieses Buch aber auch als Nachschlagewerk.

Hierzu trägt die Unterteilung der Kapitel in Themen wie "Stadt, Land & Fluss", "Staat und Recht" oder "Worterfinder" bei. Zwar muss man Seidel zugute halten, dass er nicht mit "Fachchinesisch" um sich wirft, andererseits fehlt seinen Ausführungen der Schwung und der Pepp, der Bastian Sicks Kolumnen so beliebt und amüsant gemacht hat. In der Regel sind die Herkunftserklärungen eher knapp und wirken nicht selten wie uninspirierte Informationssammlungen, die wegen des Erfolgs des ersten Teils schnell "zusammengeklatscht" wurden.

Sicherlich ist die Lektüre kurzweilig. Da aber ein Sprachproblem nicht so ausführlich erörtert wird wie bei Sick (wie gesagt: sein Witz geht Seidel ohnehin ab), steht dieses Buch irgendwo zwischen Herkunftswörterbuch und Sprachkolumne. Insofern eignet es sich für alle, die über unsere Sprache staunen und grübeln wollen.

HM

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