Was? Wikis und Weblogs?
Nein, hier geht es nicht um die japanische Trickfilmserie aus den Siebzigern. Aber es ist nicht minder skurril: "Wikis" sind online abrufbare Informationssammlungen, die von den Benutzern nicht nur gelesen, sondern auch geändert und erweitert werden können (prominentes Beispiel: wikipedia). Bei "weblogs" handelt es sich schlicht und einfach um "Online-Tagebücher", in denen der Autor der Webseite, der sogenannte "Blogger", seine Reise durch das Internet anhand von kleinen Beiträgen schriftlich festhält und diese mit Links, Bildern und Filmen versieht. Und "Freie Software" ist ganz einfach Software, die ihrem Benutzer erlaubt, sie frei zu benutzen, zu vervielfachen, zu studieren und zu ändern.
Alle drei Formate haben die Gemeinsamkeit, von allen Benutzern des Internets benutzt und verändert zu werden. Eine Art kontrollierte Online-Anarchie könnte man sagen. Und auf genau dieses Ziel steuert die (stetig wachsende) Community der "Blogosphäre" zu, wie Erik Möller, der Autor von "Die heimliche Medienrevolution" in seinem Vorwort zum Ausdruck bringt:
" Wenn Sie in 20 Jahren dieses Buch aufschlagen, etwa im Jahr 2005, leben Sie hoffentlich in einer Welt, in der soziale Ungerechtigkeiten [...] des frühen 21. Jahrhunderts weitgehend verblasst sind. In einer Welt, in der alle Menschen Zugang zu einem globalen Kommunikationsnetz haben, in dem Informationen aller Art ihne Einschränkung verändert, verbessert und verteilt werden dürfen. In einer Welt, in der jeder Mensch nicht nur Konsument, sondern auch Produzent von Wissen, Kunst und Kultur ist. Ich bin fest davon überzeugt, dass die Informations- und Kommunikationsplattform Internet diese Welt möglich macht. " |
Das Medium von dem wir hier sprechen ist das Internet. Die Plattform für Austausch und Information anhand eines weltweiten Netzwerkes von Computern ist erst seit etwa zehn Jahren ein Massenmedium und hat noch nicht den Standard des analogen Fernsehens erreicht, wird dieses aber bei der momentanen Entwicklungsgeschwindigkeit sehr bald überholt haben - eine wahre Medienrevolution.
Im ersten Kapitel des Buches geht Erik Möller auf die Geschichte klassischer Medien ein und stellt deren Macht über den Menschen dar. Das zweite Kapitel berichtet von jenen Aufständigen, die anhand von freier Software gegen den Microsoftkonzern zu steuern suchen. Im dritten Kapitel geht es um die sogenannte "Blogosphäre", die Gesamtheit aller "Weblogs" und "Blogger", also die Szene und deren Autoren und deren aufstrebene Projekte. Im vierten und letzten Kapitel erzählt der Autor die Geschichte der Enzyklopädie Wikipedia, deren Inhalt und Anzahl der Artikel inzwischen jede existierende Enzyklopädie in den Schatten stellt.
"Die heimliche Medienrevolution" ist eine sehr empfehlenswerte Lektüre, die zum Ausdruck bringen will, dass wir uns inmitten einer riesigen, für uns nahezu unsichtbaren kulturellen Veränderung befinden, deren positiver Ausgang von der gesamten klassenlosen Weltbevölkerung abhängig ist.
Was hätte Denis Diderot wohl dazu gesagt?
Der gemeine Pöbel, namenslos und unbekannten Bildungsgrades, schreibt ungehindert das universelle Wissen? Er würde es wohl nicht fassen können.
Mehr über Denis Diderot in "Die Philosophin"
MM
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Paris