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Patente der Pharaonen

Neueste Entdeckungen zur Hochtechnologie der alten Ägypter

cover Patente der Pharaonen | Herbig Verlag | 256 Seiten| 19,90 Euro | von Erdogan Ercivan

Diese Rezension wird die Welt auf den Kopf stellen. Nichts ist so, wie es bisher angenommen wurde. Die alten Ägypter kannten bereits den genetischen Code und die alten Chinesen flogen durch die Luft. Der Wahnsinn breitet sich aus und es wird Zeit, die Geschichte ganz neu umzuschreiben. Wenn doch endlich nur die ganzen biederen Wissenschaftler aus ihrem Verdrängungsschlaf aufwachen würden, dann, ja dann, hätte der gute Herr Ercivan bald nix mehr zu tun, denn sein populistisches Reißer-Meister-Werk aus dem alten Ägypten besticht mit eben solchen Parolen.

Fangen wir mal ganz in Ruhe an: Es ist sicher dem ein oder anderen bekannt, dass auch in früheren Hochkulturen (Ägypten, Maya, China) technische und vor allen Dingen astronomische Kenntnisse in einer bestechenden Vielzahl vorhanden waren, die erst durch die Nihilierung im Mittelalter heutzutage so besonders großartig erscheinen.

Einige von ihnen (und genau um diese dreht es sich in diesem Werk) sind eher in Vergessenheit geraten bzw. werden aus politischen oder selbstblinden Motiven nicht an die breite Öffentlichkeit getragen. So enthält das Buch Kapitel über roboterähnliche Apparate der Ägypter, Mikro- und Teleskope vergangener Zeiten, elektrische Beleuchtung in tibetischen Gehäusen, Flugdrachen aus China sowie Satellitentechniken der Ägypter.

Das Ganze ist größtenteils wissenschaftlich gestützt und Ercivan zeigt sich als versierter Recherche-Operateur. Wie man dann allerdings diese Tatsachen und historisch-archäologischen Bausteine präsentiert, so werden sie auch aufgenommen. Durchgehend geizt das Buch nicht mit Populismus-Hochphrasen a la "Dann muss die Geschichte ganz neu (Stellen Sie es sich vor!) geschrieben werden" oder "Was, wenn diese Entdeckung endlich allgemein akzeptiert wird?".

In einzelnen Fällen machen wir uns Sorgen, denn da steht zum Beispiel dass "Flugdrachen in China um 300 v. Chr ein allgemeiner und weit verbreiteter (!!!) Anblick am Himmel waren", dass William Shakespeare wahrscheinlich eine Frau war (!!!), dass die Ägypter Satelliten ins All schossen (letztlich stimmt das alles!!!), die die heutigen NASA-Experten vor mysteriöse, unanständige Fragen stellen.

Und all das ist immer, wenn, dann ein Weltumschreibwahnsinn, zumindest für Ericvan, und das, da er oft nur einen oder zwei Anhaltspunkte einer Erklärungskette liefert. Ich würde mich auf ein Buch zu einem einzelnen Kapitel freuen, wo solche Thesen komplett und korrekt erläutert dargestellt werden, und nicht mal so eben im Anhang noch schreiben, dass die Bibel höchstwahrscheinlich (schon wieder!) von einer Frau (Die Bibel von einer Frau! Heaven!!!) geschrieben wurde.

Und wem´s bis jetzt noch nicht aufgefallen ist: Das Ganze mit den Ägyptern ist letztlich nur sinnbildlich zu verstehen, denn alles was alt und nicht mit dem bisherigen Wissenschaftsstandard konform geht, wird in dieses Buch gepackt, eben auch die alten Ägypter, aber beileibe nicht nur die.

Dass wir uns nicht falsch verstehen: Das Buch ist teilweise sehr interessant und bietet dem aufgeschlossenen Historiker neue und ungeahnte Perspektiven, die den alten und weisen Historikern vielleicht schon lange bekannt waren (siehe Pyramiden oder Maya-Zeitrechnungen).

Es ist schließlich immer vorteilhaft, die gewohnten realistischen Denkmuster zu sprengen und seinen Horizont zu erweitern. Muss allerdings nicht unbedingt auf so eine reißerische Art geschehen.

Und überhaupt. Wenn wir die Geschichte jeden Tag neu schreiben, haben wir ja gar keine Zeit mehr, sie zu lesen.

MG

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