Garantiert schreiben lernen | Rowohlt Verlag | 304 Seiten | 10,00 Euro | von Gabriele L. Rico
Gabriele L. Rico, die in den USA Kurse und Workshops veranstaltet welche die kreative schriftliche Ausdruckwsweise anregen sollen, hat "Garantiert schreiben lernen" bereits 1983 geschrieben. Wenn man also das Alter von 21 Jahren bedenkt, so erscheint der Ausdruck "moderne Hirnforschung" nicht mehr ganz zeitgerecht. Und das Buch verspricht viel: "Sprachliche Kreativität auf der Grundlage der modernen Hirnforschung. Nach der in diesem Buch gelernten Methode können auch Sie garantiert schreiben lernen"
Man beginnt sich zu fragen: Was hat es damit auf sich? Kann das Buch sein Versprechen halten? Was heißt es überhaupt, schreiben zu können?
Im Zentrum der Lernmethode steht das sogenannte "Clustering" (to cluster = anhäufen). Dabei handelt es sich laut Beschreibung um eine assoziative Ideenverknüpfung. Klingt komplizierter als es ist: Es dreht sich eigentlich nur darum, zu einem beliebigen Wort oder Thema möglichst viele Assoziationen zu finden. Ich probiere das mal: Mit dem Wort "Feuer" assoziiere ich:
"die Farbe rot, ein brennendes Hochhaus, den Klang einer Sirene, Gefahr".
Diese Assoziationen sind wohl für jeden nachvollziehbar. Der nächste Schritt ist, erneut Gedankenverknüpfungen zu den bereits erdachten Assoziationen zu erstellen. Auf meinem Blatt verbindet nun ein Pfeil die Aussage "Brennendes Hochhaus" mit der Aussage "Dumbo". In meinem Gehirn besteht also eine Verknüpfung zwischen diesen beiden Eindrücken. Dies nachzuvollziehen fällt vermutlich schwerer!
Aber genau das ist der Clou: Die Assoziation stammt aus meinem persönlichen Wissens- und Erfahrungsschatz.
Dieser Baum aus Wörtern und Pfeilen kann natürlich unendlich weitergestrickt werden. So ist es möglich, daß aus dem Wort "Gewirr" in drei Schritten die griechische Fruchtbarkeitsgöttin Persephone entsteht:
Gewirr --> Labyrinth --> König Minos --> Persephone.
Zuerst muß man sich klar machen, daß unser Großhirn aus zwei Hälften besteht: Eine Hälfte für das logische Denken und eine Hälfte für die Verarbeitung von Wahrnehmungen und Gefühlen. Diese zwei Gehirnhälften müssen von nun an lernen, zusammen zu arbeiten.
Die vielen Assoziationen, die wir nun auf unserem Blatt stehen haben, müssen zu einem Ganzen verarbeitet werden.
Alles schön und gut, aber wie entwickelt sich daraus jetzt eine Geschichte? Das lässt sich am Besten anhand eines Beispiels aus dem Buch
zeigen:
"Das Loslassen der eigenen Kinder geschieht im Laufe von Jahren, Zentimeter für Zentimeter, so daß die letzten Millimeter. wenn es dann entdgültig soweit ist, nicht mehr schwer fallen. Das Loslassen von Wut ist ein gewaltiges Zurückprallen vor der Heftigkeit meiner Gefühle; es erhebt mich, schwerelos, in die Luft, wiegt mich sanft wie eine einzelne Feder, wirbelt mich herum wie Blütenblätter im Frühling, läßt mich behutsam wie eine Schneeflocke niedersinken." [...]
So entsteht aus dem "Cluster" (=Haufen, Anhäufung) ein fertiger Text. Es ist also bewiesen: Diese Methode wirkt. Und zwar bei der erfolgreichen Beschaffung von Ideen und Themen. Das Talent zum Schreiben und den Stil kann sie jedoch nicht beeinflussen.
Mein Fazit: Dieses Buch ist trotz der Jahre, die es auf dem Buckel hat, sein Geld wert und vor allem für experimentierfreudige (Hobby)-Schriftsteller geeignet. Äußerst wirksam bei Schreibblockaden!
MM
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