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Minimum

Vom Vergehen und Neuentstehen unserer Gemeinschaft

cover Minimum | Blessing Verlag | 192 Seiten | 16 Euro | von Frank Schirrmacher

Gemeinschaft ist ein vielschichtiger Begriff. Er bezeichnet das gegenseitige Verhältnis von Menschen, die auf einer historisch gewachsenen, religiös-weltanschaulichen, politisch-ideologischen, ideellen oder einen eng begrenzten Sachzweck verfolgenden Grundlage verbunden sind: Volk, Nation, Staat, Kirche, (religiöse oder politische) Gemeinde, Ehe, Familie, Freundschaft, Interessenorganisation, Verein u.a. (Brockhaus multimedial)

Das Inhaltsverzeichnis von Minimum ist hingegen sehr übersichtlich: Die Männer, die Frauen, der Nachwuchs; und noch drei weitere, wie etwa das Kapitel Rollenspiele, das Fragen wie: "Wer heiratet, rettet, beschuldigt wen?" klärt. Das Thema ist natürlich die "demographische Krise" der europäischen und spezieell der deutschen Gesellschaft, die allgegenwärtige Schlagzeile: "Die Deutschen sterben aus".

Was hat nun Schirrmacher zu diesem Szenario beizutragen? Im Kapitel "Männer" lernen wir die Grundthese Schirrmachers kennen, die "Katastrophe am Donner-Pass". Winter anno 1846 steckt ein Siedlertreck in der Schneewüste der Sierra Nevada fest. 12 von 15 männlichen Einzelgängern sterben. Tatsächlich stirbt die Hälfte der ursprünglich 87 Siedler - wer allerdings in einer Familiengemeinschaft lebt, hat die besten Chancen durchzukommen. Dass damals vor knapp 150 Jahren Kannibalismus mit im Spiel war, dementiert Schirrmacher und hält dies für "ein Produkt von Sensationsgier und Mythenbildung".

Nicht minder interessant gestaltet sich das Kapitel der Frauen. Deren Rolle ist nun also fest in der Familie verankert - adiós Karriere - schließlich ist die Frau die Schlüsselfigur einer Familie, sie produziert sie ja quasi. Alles läuft darauf hinaus, dass Familien überleben, Einzelkämpfer jedoch untergehen. Das deutsche "Minimum an Kindern" führt Schirrmacher darauf zurück, dass wir die Relevanz der Familie vergessen haben.

Diese Schiene ist mir allerdings zu konservativ - ich schließe mich Josef Joffe (DIE ZEIT, 23.03.2006) an: "Geburtenraten ändern sich, mal schichten-, mal volksspezifisch [...]. Man muss sich nur von der in Beton gegossenen Vorstellung lösen, dass alles immer so sein muss, wie es ist. Das Leben besteht ganz trivial aus Wandel, Anpassung und Bewegung."

MM

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