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Die dunkle Seite von Jesus

Der Sohn Gottes in einem ganz neuen Licht

cover Die dunkle Seite von Jesus | Bohmeier Verlag | 148 Seiten | 19,95 Euro | von Oliver Fehn

An einem Ostersonntag Oliver Fehns Buch "Die dunkle Seite von Jesus" zu lesen und dann auch noch zu rezensieren, kommt ja fast einem blasphemischen Synchronismus gleich, dem ich mich an dieser Stelle nicht widersetzen möchte. Genau. Eine kritische Grundeinstellung zu christlichen Thematiken muss schon gegeben sein, ansonsten fällt der Leser schon bei der Lektüre des Rückumschlags in spirituelle Ohnmacht.

Eigentümliche Fragen auf bisher nicht untersuchte historische Christus-Phänomene werden provokant aufgelistet: War Jesus schwul? Schwer erziehbar? Ein Junkie? Der Sohn einer Prostituierten? Aber, aber. Jetzt nicht gleich paralysiert den Kopf schütteln, sondern ruhig mal ins Buch reinschauen. So skurril sich´s auch anhört, aber diese Fragen werden wissenschaftlich untersucht, und zwar von einem studierten Theologen. Und recht schnell wird klar, dass diese Art der wissenschaftlichen Herangehensweise sich, wenn überhaupt, nur durch Nüchternheit und Recherchearbeit auszeichnet, was ja den meisten Bibelauslegungen (Exegese) völlig fremd ist.

Die oben erwähnten Fragen führen in den meisten Fällen zu keinem gesicherten Ergebnis, lassen aber letztlich den Schluss zu, dass diese Überlegungen nicht aus der Luft gegriffen sind, sondern den historischen Tatsachen wohl eher entsprechen, als die verklärende und völlig demagogische Erzählkunst der damaligen und aktuellen Kirchenväter. Um noch genauer zu sein: Der Jesus, den wir glauben zu kennen, hat wahrscheinlich gar nicht gelebt, statt seiner eine historische Person namens Jehoschua, der von Fehn in dem Buch abschließenden Autoren-Interview als typischer totalitärer Guru bezeichnet wird. Es ist aber keineswegs so, dass dieser Guru von Fehn beleidigend abklassifiziert, sondern genauestens untersucht und analysiert wird. Die so getroffene Aussage ist eben das Ergebnis subjektiver wissenschaftlicher Forschung.

Und wie lustig Wissenschaft sein kann, erfahren wir in diesem Buch! Locker und lässig argumentiert Fehn, sein Vokabular entspricht (welchem Gott auch immer, sei Dank!) einer Generation, die Heute lebt. Hier ein Beispiel: "Diese Geschichte lässt ohne jeden Zweifel auf ein gestörtes Verhältnis zwischen Jesus und seiner Familie schließen. Eigentlich ein Standardkonflikt: Der Sohn mutiert aus der Tradition und trifft eine total flippige Berufswahl." Ja, so kann man das auch nennen, was sich vor circa 2000 Jahren im nahen Osten abgespielt hat. Man kann das so machen, wenn man sich wie Fehn, von allen Vorurteilen und kategorischen Moraldogmen des modernen Menschen entsagt hat und freien Willens und freien Geistes ausspricht, was andere nicht zu denken wagen. Neben den oben erwähnten dunklen Seiten des Jesus finden sich im Buch auch Ausflüge in bekannte mythisch-christliche Fragestellungen (Turiner Grabtuch, astrologische Zeitalter, Verbindung zwischen Jesus und Buddha).

Summasummarum macht das Buch Spaß und bringt prekäre Informationen auf den Tisch. Für Menschen, die an Ostersonntagen Rezensionen schreiben, keine weltbewegende Angelegenheit, sondern ein Überraschungsei in schriftlicher Form.

MG

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